Kirchgemeinde: Diskussion über Afghanistaneinsatz der Bundeswehr notwendig
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- Bundeswehr - Tapferkeitsorden
(08.07.2009) — Online-Redaktion / Friedensarbeit
Der Tod von drei Bundeswehrsoldaten in Afghanistan im Juni 2009 hat die Diskussion über Auslandseinsätze deutscher Streitkräfte entfacht.
Der Gemeindekirchenrat der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde Bad Salzungen hat dazu eine Stellungnahme veröffentlicht.
Zudem sind am 6. Juli 2009 erstmals seit dem Ende des 2. Weltkrieges wieder deutsche Tapferkeitsorden verliehen worden: das Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit. Erhalten haben es vier Soldaten, die in Afghanistan mutig nach einem Attentat den Verletzten halfen.
Die Stellungnahme aus Bad Salzungen ermutigt zu einer Diskussion über den Bundeswehreinsatz in Afghanistan. Damit verbunden sind auch die Fragen, ob unser Land neue Helden braucht und was Tapferkeit alles konkret bedeuten kann.
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Stellungnahme der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde Bad Salzungen: stellungnahme.pdf
10 Kommentare
Wolfgang Geffe
9. Juli 2009 um 21:28:07 Uhr
Solange die militärischen Mittel die zivilen Mittel weit überwiegen werden die Köpfe und Herzen der Menschen in Afghanistan nicht zu gewinnen sein. Die Nationale Friedens-Jirga Afghanistans fordert auf zu einem Abzug der ausländischen Truppen, zu einer verstärkten zivilen Hilfe und zu Verhandlungen mit unterschiedlichen Gruppen der afghanischen Opposition. Nur auf diesem Wege wird die Souveränität des afghanischen Volkes geachtet und kann ein Friedensprozess in Gang gesetzt werden. Eine Umkehr in der Afghanistan-Politik, weg von der einseitigen militärischen Ausrichtug, ist dringend erforderlich.
Michael
9. Juli 2009 um 22:22:19 Uhr
Ein Abzug der ausländischen Truppen zum jetzigen Zeitpunkt bedeutet die Rückkehr der Taliban an die Regierung. Das war nach dem sowjetischen Abzug so und so würde es wieder sein. Zivile Aufbauarbeit: okay. Aber ohne Militär wird es nicht gehen.
Bzgl. der Stellungnahme der Kirchengemeinde: ob der Einsatz Erfolg hat, ob die letzten Jahre zukunftsorientiert erfoglreich waren, das kann wahrscheinlich niemand ehrlicherweise beantworten. In 10 Jahren vielleicht - oder wenn die Radikalen in kurzer Zukunft die Oberhand gewinnen. Das sollte sich jeder klarmachen, der an der Diskussion teilnimmt.
Michael
9. Juli 2009 um 22:27:08 Uhr
Nachtrag: Ich hab noch was vergessen:
Entweder man ist drin (auch mit Militär), dann hat man dafür zu sorgen, dass es zu einem guten Ende kommt, selbst wenn es 50 Jahre dauert. Entscheiden sich die Regierungen, Afghanistan jetzt zu verlassen, sich selbst zu überlassen, dann bitteschön nicht über die Bilder beschweren, die uns dann erreichen werden. Eine Rückschau in die Zeit vor 2001 kann sich jeder im Internet besorgen...
Jörg Markert
10. Juli 2009 um 16:55:51 Uhr
Also über die "Erfolgschancen" eines Einsatzes sollte man sich im Vorfeld des Einsatzes gedanken machen. Von daher kann es schon sein, daß jemand seine Hausaufgaben nicht ordentlich gemacht hat, bzw. eben mal wieder nur einseitig nach Lösungswegen gesucht wurde. Mit Waffen Frieden schaffen - schwer vorstellbar; mit Waffen Frieden erhalten - unmöglich.
Uli Bär
13. Juli 2009 um 13:26:25 Uhr
Der Wegfall des Feindbildes mit dem Wegfall der Militärblöcke führte leider nicht zu Abrüstung und Wegen der friedlichen Konfliktlösung, obwohl u.a. die Friedliche Revolution Motivation dafür liefern könnte. Nicht erst, seit deutsche Soldaten grundgesetzwiedrig angeblich unsere Freiheit auch am Hindukusch (und immer häufiger auch in anderen Teilen der Welt) verteidigen sollen, kann jedem politikinteressierten Menschen und erst recht Christen täglich neu klar werden, dass Frieden nicht militärisch geschaffen wird. Die Menschheitsgeschichte ist voller Beispiele dieses Irrweges. Das bundesdeutsche Konzept der bewaffneten Entwicklungshilfe ist gescheitert, weil grundsätzliches nicht stimmt. Wenn z.B. die extrem unterschiedlich hohen Summen der Gelder, die jeweils für die militärischen Konfliktlösungsversuche und für den zivilen Aufbau ausgegeben werden, ausgetauscht würden, könnten Hoffnung und Vertrauen auf einen gangbaren Weg zu dauerhaftem Frieden wachsen - bei allen Menschen, auch in Afghanistan und auch bei unseren Soldaten.
Jürgen Wollmann
15. Juli 2009 um 17:18:15 Uhr
Als ich die Begründung für den Bundeswehreinsatz in Afghanistan von SPD-Spitzenmann Peter Struck hörte, unsere Freiheit würde am Hindukusch verteidigt, habe ich das zunächst nicht verstanden. Beim Nachdenken über die Frage, was denn unsere Freiheit ist und wie sie verteidigt werden könnte wurde mir zunächst klar, dass es sich bei dieser Floskel um eine völlig abwegige, populistische und den Kampfeinsatz beschönigende Aussage handelt. Gleichzeitig wird der Begriff Freiheit missbraucht, wenn nicht sogar "beschmutzt" und wir Wähler und Wählerinnen werden in die Irre geführt. Deutschland ist durch seine besondere Geschichte - ich denke an zwei angezettelte Weltkriege - in einer besonderen Situation und auch Verantwortung. Die Beteiligung der Bundeswehr an Kampfeinsätzen hätte nie durch den Bundestag bewilligt werden dürfen. Freiheit bedeudet doch auch die Wahl zwischen Alternativen. Warum gibt es in Deutschland nicht die Möglichkeit einer Volksabstimmung zu solchen wichtigen und weitreichenden Fragen, wie die der Beteiligung der Bundeswehr an Kampfeinsätzen? Ich bin sicher, die Entscheidung wäre bei einer Volksabstimmung anders ausgefallen. Nicht die Beteiligung an Kampfeinsätzen ist ein Beitrag zur Verteidigung unserer Freiheit, sondern die Weiterentwicklung der von den Parteien dominierten Demokratie.
Wir als reiches Land sind zur Hilfe für Notleidende verpflichtet, aber zivil und nicht militärisch. Und als Christen und Christinnen sollten wir doch beherzigen, was im Neuen Testament steht. Neben vielen andern tollen Aussagen zur Feindesliebe steht auch ein Wort des Apostels Paulus an die Gemeinde in Ephesus: "Habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis; deckt sie vielmehr auf."
Michael
15. Juli 2009 um 18:56:31 Uhr
Der Ausspruch von Peter Struck lautet richtig: "Die Sicherheit Deutschlands wird auch am Hindukusch verteidigt."
Wolfgang Geffe
15. Juli 2009 um 20:48:03 Uhr
Bin soeben auf ein Zitat aus "zur Sache.bw" gestoßen, dass ich mir vor einigen Jahren mal aufgeschrieben habe, weil ich es so in einer Zeitschrift der Ev. Militärseelsorge nicht vermutete.
Dr. Jochen Bohn (wiss. MA am Institut für Theologie und Gesellschaft der Uni der Bundeswehr München) schreibt da: "Der Auftrag der Streitkräfte ist sowohl inhaltlich als auch regional begrenzt. Die schützende Anwendung von militärischer Gewalt muss an den Grenzen des Staates oder des Bündnisses enden - nicht am Hindukusch!
Die Rechtfertigung globaler Militäreinsätze unter Rückgriff auf ein angeblich notwendig zu erweiterndes Sicherheitsverständnis ist moralisch nicht haltbar und letztlich nichts anderes als die Freigabe eines unbegrenzten und unkalkulierbaren Interventionismus."
Leider hat sich diese Sicht unter führenden Politikern und Militärs nicht durchgesetzt. Noch nicht?
Gottfried Arlt
23. Juli 2009 um 17:58:36 Uhr
"Krieg darf nach Gottes Willen nicht sein." (Weltkirchenkonferenz Amsterdamm 1948) Das ist eine ethische Aussage, von der manche Politiker und auch Christen meinen, dass sie gegenüber einem inhumanen Feind wie den Taliban nicht zu verwirklichen ist. Es gäbe da keine andere Alternative als den Einsatz militärischer Mittel. Haben nun diese militärischen Mittel nach fast 8 Jahren Krieg wirklich den Sieg über die Taliban gebracht? Sie sind wieder stark wie zuvor und im Land herrscht weiterhin Hunger, Korruption und Drogenanbau. Dieser Krieg, in den Deutschland immer weiter hineingezogen wird, bestätigt eher das Bild der Fundamentalisten vom Westen als imperialistischen Feind der islamischen Völker und gibt damit den Taliban recht. Deutschland (wie die andern kriegführenden Mächte) gleicht einem Arzt, der einem kranken Patienten eine Medizin verabreicht, die ihm nicht hilft und auf die Dauer noch kränker macht. Statt diese Medizin abzusetzen, werden die Dosen dieser gefährlichen Medizin nur verstärkt. Warum beschränkt sich die deutsche Politik nicht auf zivile Hilfe in Afghanistan und Pakistan, um Armut, Hunger und Analphebetismus zu überwinden, den eigentlichen Wurzeln des Fundamentalismus. Ich habe eher den Eindruck, dass es in Afghanistan nicht um humane Ziele geht, sondern um handfeste wirtschaftliche und politische Interessen. Wenn wir Christen mit unsern Kirchen der Kraft der gewaltlosen Liebe Jesu vertrauen würden, könnte das auch den Politikern klare Maßstäbe für ihr praktisches Handeln geben.
Thomas
20. Oktober 2009 um 09:26:55 Uhr
Alle Einsätze die mit millitärischen Mitteln durchgesetzt werden finde ich schlimm. Klar es geht nicht immer.
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