Mauern im Herzen

Berliner Mauer; Foto: www.wikipedia.org
Berliner Mauer; Foto: www.wikipedia.org

(07.04.2009) — Von Walter Jungbauer, Fundraising-Beauftragter in der EKM

Seit der so genannten "friedlichen Revolution" und dem Fall der Mauer sind mittlerweile 20 Jahre ins Land gegangen. Das ist die Hälfte der Zeit, welche die ehemals zwei deutschen Staaten getrennt und mit unterschiedlichen politischen Systemen existierten.

Eigentlich müsste man erwarten können, dass die Trennung nun langsam überwunden sein müsste. Doch statt dessen habe ich oftmals den Eindruck, es zieht sich noch immer eine unsichtbare Mauer durch dieses Land, und es wird genau darauf geachtet, ob jemand aus dem Westen kommt, oder ob sie/er ein/e "Ossi" ist - in den westlichen Bundesländern genauso wie in den fünf östlichen. Besonders offensichtlich wurde dies für mich bezüglich der EKM, als die Bischofswahl anstand, und sich ein wahrer Proteststurm erhob, weil beide Kandidaten aus westlichen Bundesländern kamen (vgl. dazu: "Frau oder Mann und Osten und Westen - Bischöfinnen-/Bischofs-Wahl in Mitteldeutschland").

Mit der nun startenden Kampagne der EKM unter dem Titel "1989 / 2009 - Gesegnete Unruhe" wird auf die Aufbrüche vor zwanzig Jahren zurückgeblickt. Damals wurden Mauern niedergerissen. Und das hatte auch seine Gründe. Der Umsturz des damaligen politischen Systems des "real existierenden Sozialismus" mit all seinen Begrenzungen, Einengungen und Unterdrückungen wurde erst möglich durch diesen Aufbruch und Aufstand der Menschen in der ehemaligen DDR und den anderen Ländern östlich der Mauer.

Die Kampagne soll dazu anregen, auch die Mauern von heute anzuschauen, und darüber nachzudenken, wie sie überwunden und niedergerissen werden können. Oder wie der EKM-Pressechef Ralf-Uwe Beck das Ziel des Kampagnenjahres zugespitzt ausdrückte: "Runter vom Sofa und Einmischen in die Brennpunkte unserer Tage."

Seien es die Mauern zwischen Arm und Reich, die es sowohl in unserem Land als auch zwischen den Ländern der Nord- und der Südhalbkugel gibt. Seien es die Mauern, welche in der Ökumene immer noch zwischen Konfessionen aufgerichtet sind, und die noch immer die Einheit in der Vielfalt unmöglich machen. Oder seien es auch die beschriebenen Mauern zwischen Ost und West, die sich anscheinend noch immer durch die Herzen vieler Menschen ziehen.

Überall da ist gesegnete Unruhe notwendig, damit wir die Mauern zu Fall bringen. Denn diese Mauern sind kein Segen, sondern behindern uns nur dabei, unserem eigentlichen Ziel als Christinnen und Christen näher zu kommen: Gemeinsam mit aller Kraft am Reich Gottes zu bauen.

Wenn wir alle gemeinsam in diesem Kampagnenjahr das schaffen, wird die EKM am Ende dieses Jahres anders und lebendiger aussehen, als heute. Und das wäre ihr genauso zu wünschen, wie jeder Kirche immer wieder.

Material zur Kampagne:


 

Artikel kommentieren

 

19 Kommentare


 

1

Carl-Jürgen Caesar

4. Mai 2009 um 14:12:24 Uhr

"Wenn wir alle gemeinsam in diesem Kampagnenjahr das schaffen, wird die EKM am Ende dieses Jahres anders und lebendiger aussehen, als heute."

Also, ich weiß nicht: Muss wirklich solch ein Aufruf sprachlich so formuliert werden? Nach all den Sprüchen, die da lauteten: "Vorwärts zum soundsovielten Parteitag..." und dann das Paradies versprachen, wäre eine etwas leisere Stimme vielleicht angebrachter. Aber inzwischen gibt es ja auch Fundraising-Experten in der Kirche, die müssen vielleicht so laut sein? (Aber ein Komma würde ich trotzdem in dem Satz streichen.)


 

2

Walter Jungbauer

4. Mai 2009 um 17:44:51 Uhr

@ Carl-Jürgen Caesar

Hallo Herr Caesar,

danke für den Hinweis auf den Komma-Fehler, der mir unterlaufen ist.

Dass ich diesen Beitrag so formuliert habe, wie er von mir formuliert wurde, hängt nicht damit zusammen, dass ich Fundraiser bin oder dass ich meine, man müsste "so laut" sein. Ich habe lediglich meine Sichtweise zum Ausdruck gebracht.

Und diese Sichtweise ist durch meinen Glauben an einen Gott begründet, der mich immer wieder zur Umkehr ruft, dazu, an seinem Reich mit meiner Kraft und meinem Engagement mitzubauen. Und, ja, ich bin in diesem Zusammenhang in der Tat davon überzeugt, dass sich sehr viel verändern würde, wenn wir es schaffen, die Mauern in unseren Herzen zu überwinden, und dass die EKM anders und lebendiger aussehen würde, wenn uns dies gelänge.

Herzlich grüßt

Ihr

Walter Jungbauer


 

3

Michael Schäffner

2. Juli 2009 um 20:31:31 Uhr

Wann wird denn endlich mal diese DDR-Fahne von der ekmd.de-Titelseite entfernt? Für das Thema gibt es doch sicher geeignetere Bilder.


 

4

Michael H.

29. Juli 2009 um 16:53:55 Uhr

zu "Mauer in den Herzen"

Liebe EKM, gerade muß ich mir doch mal Gedanken machen zu Ihrem Thema,vieleicht auch aus der Tasache heraus, das es in der EKM gewisse Leute gibt, die wirklich eine "Mauer in Ihrem Herzen " haben?

Wieviel Leid muß diesen Menschen wiederfahren sein? Damit man so viel Haß aufbauen kann, gegen die die nun seit 36 Jahren keine "Mauer in Ihrem Herzen" tragen?

Aber die Geschichte zeigte uns 20 Jahre nach dem Fall der Mauer !

"Keine Mauer steht ewig" ,es sind die Menschen ,die diese niederreisen und es werden die Menschen sein die auch diese "Mauer in den Herzen" niederreisen.Nicht der "einzelne" , nein die Gemeinschaft "aller".

Ich finde es nur seltsam, das wir diese Mauern in den Herzen in Ihrer EKM nun suchen müssen.

Das ist echt mal was zum Nachdenken für das Kirchenamt Eisenach .


 

5

Markus Rede

29. Juli 2009 um 19:32:29 Uhr

Lieber Michael H. - warum so negativ? Ich zumindest bin dankbar, daß die EKM diese Kampagne gestartet hat. Nach langer Abwesenheit von meiner Heimat und endlosen Wochenenden, die ich mit pendeln vergeudet habe, spricht die EKM mir aus dem Herzen, wenn sie gegen Mauern und damit gegen die Unterschiede zwischen den Menschen in Ost und West sprechen. Die Unterschiede liegen garnicht so sehr in den Menschen sondern sie wird künstlich durch Politik und Medien aufrecht erhalten. Es tut mir z.B. weh, wenn sich mein Sportverein in Luft auflöst, weil jeder der Arbeit hinterherziehen muss. Deshalb seien sie doch froh, dass es eine Plattform gibt, die den Menschen Hoffnung gibt. Mir zeigt es, dass ich mit meinen Gedanken nicht allein dastehe.


 

6

Michael H.

30. Juli 2009 um 06:06:43 Uhr

Lieber Markus,

genau das ist der Punkt, mein Herz schmerz ,wenn man mir in meiner Heimat und meiner Kirche ,den Pfarrer durch Halbwarheiten nimmt.

Alle Versuche hier eine Lösung zufinden, stießen stehts auf "Mauern" im Kirchenamt .

Aber es werden täglich mehr Menschen die nun bereit sind diese Mauern in diesen Herzen niederzureisen.

Das ist nicht negativ, vielmehr etwas zum Nachdenken gemeint.

Michael H.


 

7

Michael H.

30. Juli 2009 um 14:36:44 Uhr

Lieber Markus,

interesant ist es , das die EKM sagt es gäbe Unterschiede zwischen Ost und West ?

Nun vieleicht im Geldbeutel ? Jedoch weder im Glauben noch in der Kirche und schon garnicht im Apostolischen Bekenntnis.

Gleich wohl frage ich mich wie kann man jemanden von den Menschen fernhalten ,der seit 36 Jahren ,jedem einzelnen versucht diese Unterschiede wegzu predigen ?

Ja Deutschland ist vereint, jedoch haben sich die Landeskirchen hinter neue Mauern zurückgezogen .

Das in einer Kirche die sich durch demokratische Wahlordung ihre Synoden und Bischhöfe wählt. Das muß man mal allen ernstes erwähnen.

Gruß Michael H.


 

8

Michael H.

5. August 2009 um 21:04:33 Uhr

Schon seltsam, das sich der ehmalige Landisbischof Prof.Dr. Kähler, in einem Brief an den Pfarrvikar ,den er selbst suspentiert hat , nun wendet. Und zwar an dem gleichen Tag ,wie nun die Richtigstellung der Halbwahrheiten erfolgte?

Dazu bleibt zu sagen, das der "Beschuldigte" immer noch Pfarrer ist und ebend nicht Pfarrvikar. Das müsste doch eine Landesbischof i.R. eigendlich wissen.

Ferner kann er als Mitglied der EKD ,ebend nicht zum Sachverhalt sich äußern und hat keine personelle Einstufung vorzunehmen für die EKMD .

Als sehr unklar , was soll dies sein ,eine Landeskirche ?


 

9

Gerhard Seifert

6. August 2009 um 20:40:58 Uhr

Sehr geehrter Michael H.,

dieser Blog bietet die Möglichkeit, über die Blog-Themen zu diskutieren. Ihre Aussagen in dem letzten Beitrag beziehen sich auf (von außen) nicht nachvollziehbare Vorgänge, sind zum Teil unrichtig und unsachlich; zudem starten Sie persönliche Angriffe. Sollten nächste Beiträge von Ihnen in ähnlicher Weise formuliert sein, behalte ich mir als Online-Redakteur das Recht vor, diese vom Netz zu nehmen.


 

10

Michael H.

6. August 2009 um 22:31:39 Uhr

Sehr geehrter Herr Seifert,

was richtig ist oder falsch, ich weis dies auch nicht mehr .Aber auch die EKMD weis dies auch nicht .

Machen Sie bitte einfach weg , was Sie denken.

Danke übrigens, das Sie erst Fragen, denn zumindest hier kann ja noch geredet werden.

Viele Grüße

Michael H.


 

11

Markus Rede

11. August 2009 um 22:28:54 Uhr

Geisterstädte in blühenden Landschaften

In einigen Regionen Deutschlands, vor allem im Osten, wird die Bevölkerung nach Angaben des Ost-Beauftragten der Bundesregierung, Wolfgang Tiefensee (SPD), bis zum Jahr 2025 um bis zu 30 Prozent schrumpfen. Manche Orte sind regelrecht vom Aussterben bedroht.


 

12

Markus Rede

12. August 2009 um 07:35:40 Uhr

Was sind das für Aussichten? Vor allem für die Kinder von heute? Aber die Hoffnung stirbt zuletzt!


 

13

Michael H.

15. August 2009 um 17:37:46 Uhr

Lieber Markus,

...die Hoffnung stirbt zuletzt.

Wenn wir jetzt den Menschen in vielen "vergessenen Orten ,gerade in Ostdeutschland ,wieder ein "stückchen" Hoffnung geben, gerade in dem Kirchenspiel , dann wird sich etwas bewegen.

Die Zahlen sind erschütternt und dennoch müssen wir Verständnis zeigen, wenn gerade junge Menschen ihre Zukunft woanders suchen.

Keiner stellt sich die Frage ,was wird aus dennen die zurückbleiben , was aus alten und kranken.

Dies bedrückt mich zutiefst. Jetzt ist die EKMD gefordert um Zudenken, etwas den Menschen zu bieten ,was man "LIEBE" nennt.

Ein Pfarrer versucht dies durch etwas neues und nun sollte man ihn auch gewähren lassen, denn er füllt diese Kirche mit all seiner Liebe und er hält an jedem einzeln fest , ganz egal wo dieser auch sein Zu hause hat.

Er ist da wenn man ihn ruft und er nimmt sich die Zeit ,die jeder braucht. Geben wir diesem "Großartigen Menschen" jetzt die Möglichkeit , etwas zu erneuern und seinen Glauben zuzeigen.

Dafür bete ich jeden Tag und "Spüre" wie jener Tag kommen wird.

Gruß

Michael


 

14

Michael Schäffner

21. August 2009 um 21:35:58 Uhr

Ich war gerade in Amerika, da gibt es tatsächlich Geisterstädte. Schade, aber wenn dort keiner mehr wohnen möchte, dann wohnt da eben keiner mehr. Das Leben geht nach vorne und kann nicht angehalten werden. Dazu gehört, dass Orte, die gekommen sind, auch wieder verschwinden können. Unzählige Dörfer sind über die Jahrhunderte auch in unseren Gegenden verschwunden.

http://meinamerika08.blogspot.com/

(Webadresse wurde im vorgesehenen Feld nicht akzeptiert.)


 

15

Markus Rede

22. August 2009 um 08:31:53 Uhr

Aber in diesen Städten und Dörfern leben noch Menschen, die diese als ihre Heimat bezeichnen. Und Deutschland ist nicht Amerika und wir sind kein Nomadenvolk!!


 

16

Michael H.

22. August 2009 um 10:34:59 Uhr

...unsere "geistige Heimat" kann uns niemand nehmem. Dies gab mir mein Pfarrer mit auf meinen Weg !

Viele Dinge geschehen im Verständnis ,das man das "Richtige" tut.Manchmal auch seinem Schicksal sich ergibt.Denoch gibt es diese "geistige Heimat" und das macht unser "Heimweh" erträglich.

Schade nur das es Menschen gibt , die von "geistigen" Dingen nichts hören wollen !

Aber meine Hoffnung ist mein Glaube und der sagt ,auch diese werden schon sehr bald "Zuhören"

Michael


 

17

Markus Rede

24. August 2009 um 12:44:07 Uhr

1989 = ca. 17 Millionen

2007 = ca. 14,3 Millionen

2025 = ca. 10,01 Millonen (-30 Prozent)

2078 = ausgestorben/ umgesiedelt

Und wer soll dann die Kirchen füllen? Aber dann ist wenigstens die Arbeitslosenquote bei 0 Prozent.


 

18

Michael H.

26. August 2009 um 14:48:48 Uhr

Lieber Markus,

deine "Zukunftszahlen" stimmem so nicht.

Denn der Gesetzgeber hat nun verstärkt die "Spätaussiedler " in die neuen Bundesländer eingegliedert.

Wachsende Infrastrukturen, lassen neue Arbeitsplätze entstehen und gerade im Bereich der Industrie ist hier einiges in Planung für die nächsten 15 Jahre.

Die Menschen kommen mit den Arbeitsplätzen wieder. Ob sie auch zur Kirche kommen ? Da sehe ich kein Funken der Hoffnung, denn dazu ist in diesem Reformprozess so ziehmlich alles gegen die Menschen gemacht worden .

Nun ja , jedenfalls die Menschen werden sich sehr bald wieder in die Neuen Bundesländer begeben , wegen der Perspektiven des Arbeitsmarktes .

Michael


 

19

Renate

6. November 2009 um 20:16:15 Uhr

Ich bin beeindruckt von der Kampagne "Gesegnete Unruhe" und habe auf sie in unserem Gemeindebrief "Im Blick", Stadtkirche Rüsselsheim in der Kolumne hingewiesen.

Die Erfahrungen, die vor und nach dem 9. 11. 1989 von den Menschen in Mitteldeutschland gemacht wurden, fehlen uns hier im Westen:

Völlig offene neue Lebenssituation,

Arbeitslosigkeit, Mut zur neuen Tat, Anpacken und Nach-vorne-Schauen. Alles Alte wankte und Neues tat sich auf.

Ich wünsche mir zum 20. Jahrestag des Mauerfalls, daß wir die "Gesegnete Unruhe" in unsere Kirchen, unseren Alltag und in unser Leben tragen und die Hoffnung, die wir Christen haben, ausstrahlen.

Das macht doch Mut---oder?

Renate aus Bischofsheim bei Rüsselsheim (Opel)


Suche



 

 

Neue Kommentare


Michael Hielscher

Sehr geehrter Herr Sommer, liebe Frau Anna-Sophia S., Ihnen "beiden" möchte ich

 

Hans Sommer

Sehr geehrte Anna-Sophia S., ein Blog kann immer nur so kuschelig sein wie seine Schreiber. An

 

Anna-Sophia S.

Ich finde diese Frage einfach nur peinlich: "Wie gefällt Ihnen unsere neue Website?" Die EKM

 

Mario Wasner

Blau und Grün passen so gut zusammen wie die ELKTh und die KPS. Von oben betrachtet,

 

Roderich Sitte

Hallo, das Design der Seite finde ich sachlich und zeitgemäß. Was ich vermisse bzw.

 

Michael

Liebe Schwestern und Brüder , die größte Bitte die man je gehört hat , sie kommt vom

 

Christliche Partnersuche

Die Seite finde ich übersichtlich, angenehm anzuschauen. Sehr einladend.

 

Tine Hildebrandt

Liebe Gestalter der neuen Homepage! Ich finde die Homepage zwar schön und nett anzusehen

 

Renate

Ich bin beeindruckt von der Kampagne "Gesegnete Unruhe" und habe auf sie in unserem

 

Thomas

Alle Einsätze die mit millitärischen Mitteln durchgesetzt werden finde ich schlimm. Klar es

 


Herausgeber

Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM)

Referat Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Kirchenrat Ralf-Uwe Beck
Dr.-M.-Mitzenheim-Straße 2a
99817 Eisenach

Fon 03691/678-404
Fax 03691/678-449
presse.eisenach@ekmd.de

 

 

Werbliche Kommentare sind nicht erwünscht.
Keywords die offensichtlich nur dem Suchmaschinenranking dienlich sind werden ebenfalls nicht akzeptiert.